Auszug aus der Schulchronik

aufgezeichnet von Franz Hilmer Rektor a.D


 
Innernzell ist für eine Zentralschule eingeplant

Nach dem neuen Schulgesetz sollen laut Verhandlung des Herrn Landrat Bayer und des Herrn Oberschulrat Wein mit der Regierung von Niederbayern im Landkreis Grafenau 8 Hauptschulen im Landkreis entstehen:

• Grafenau
• Spiegelau
• Riedlhütte
• Neuschönau
• Schönberg
• Innernzell
• Thurmansbang
• Haus i. Wald

Nach Rücksprache mit der Gemeinde wurden sofort Planskizzen für einen Anbau und für einen evtl. Neubau der Volksschule Innernzell angefertigt.

 


Am 16. Oktober 1968 fuhren Herr Bürgermeister Kroiß, Herr Gemeindesekretär Karl, Frau Sterr und Herr Hilmer mit diesen Planskizzen an die Regierung, nachdem das Staatl. Schulamt Grafenau diese begutachtet hatte. Die Gemeinde zeigte den Willen, möglichst die ganze Schule in einem Neubau unterzubringen.

 

Ergebnis der Besprechung bei der Regierung

1. Es wurde begrüßt, daß die Gemeinde Innernzell mit so     viel Eifer einen Ausbau der Volksschule betreibt.

2. Nach der voraussichtlichen Schülerzahl von Innernzell,     der einbezogenen Hauptschule aus Schöfweg und     Langfurth mit 120 Kindern wären 6 - 8 Lehrsäle,     Turnhalle, Naturlehr raum, Schulküche usf. zu planen.

3. Die Kosten einer Sanierung der Tonerdeschmelz     zementdecken sollen mit dem Erstellungswert von 6     Lehrsälen verglichen werden. Sollte der Unterschied     nicht zu groß sein, würde die Regierung einen Gesamt-     neubau befürworten. Ansonsten käme in das alte     Gebäude die Grundschule, in den zu bauenden Trakt die     Hauptschule.

 

23. Oktober 1968

OL Hilmer legte die ganze Sachlage dem Gemeinderat in einer Sitzung vor. Die Gemeinderäte befürworteten und begrüßten die bisherigen Schritte. Es wurde für kommende Woche eine Fahrt zu neuen Schulhäusern beschlossen, an der auch
einige Lehrer teilnehmen sollen. Dabei sollte ein geeigneter Architekt gefunden werden.

November 1968
In einer Gemeinderatssitzung wurde die Planung an Herrn Architekten Glazl, Passau, vergeben. Innerhalb einer Woche war die Planung so weit, daß mit dem Architekten zur Regierung gefahren werden konnte. Die Gemeinde wollte unbedingt als erste im Landkreis Grafenau bauen, wenn man Thurmansbang nicht berücksichtigt, das ja schon 1967 begonnen hat (vor dem Hauptschul plan).
Der Plan wurde für gut geheißen, bis auf wenige Geringfügigkeiten.
Ein Münchner Architekt, der durch einen örtlichen Informanten unterrichtet wurde und selber das Gebäude bauen wollte, machte der Regierung Vorhaltungen, die Planung wäre zu aufwendig. Darauf mußte der überdachte Zugang von der Straße zum Schulgebäude gestrichen werden.
 
Anfang 1969
Endgültige Eingabe des Planes beim Landratsamt. Hier verweilt er einige Zeit. Endlich landet er bei der Regierung. Von nun an beginnt die große Wartezeit.
 
Frühjahr 1969
Oberregierungsrat Lederer, Jurist an der Regierung, meldet die ersten Bedenken gegen den Bau von zwei so eng aneinanderliegenden Hauptschulen wie Innernzell und Schönberg an. In nächster Zeit würde eine Verordnung vom Ministerium erwartet, die nur mehr den Bau von 2-zügigen Hauptschulen gestattet. Nun beginnt ein Rennen um die Hauptschule.
Nachdem seit der Planung Innernzell schon kämpfen mußte, daß der Hauptschulsitz nicht nach Schöfweg verlagert wird, sollte es jetzt zu einem Wettstreit mit dem größeren Schönberg kommen.
In einer Vorsprache bei der Regierung (mit Landrat Baier) wurden nun zum Hauptschul-sprengel Innernzell außer Schöfweg/Langfurth und einigen Gemeindeteilen darüberhinaus aus dem Deggendorfer Landkreis noch die Gemeinden Solla und Eppenschlag dazugeschlagen. Damit war Innernzell gut 2-zügig, Schönberg aber kaum mehr.
 

Schulbau

Schönberg hat inzwischen auch mit dem gleichen Architekten eine 3-zügige Hauptschule geplant.

 

September 1996

Überschrift im Grafenauer Anzeiger unter Schönberg:

Grünes Licht für Innernzell, rotes Licht für Schönberg!
Schönberg wehrt sich und fährt mit einer riesigen Delegation zur Regierung.
Die Regierung befrägt neuerlich die Gemeinden Schöfweg, Solla, Kirchberg und Eppenschlag, wohin ihre Kinder zur Schule fahren sollten.
Solla entschied sich für Thurmansbang, Eppenschlag und die übrigen für Schönberg. Die Gemeinde Solla hat die Bürger, die sowieso nach Innernzell gehen wollen, nicht abstimmen lassen.

Nach Bescheid des Regierungspräsidenten wird Innernzell 1970 bauen. - Keine schriftliche Genehmigung. - Warten!

 
Frühjahr 1970
Warten! -“Die Genehmigung wird die nächsten Wochen kommen“. - Warten! - Mit viel Geschick bekommt Innernzell 300 000 DM eingeplant.
 
Sommer 1970
Warten! - „Anweisung vom Ministerium an die Regierung, nur mehr die im Bau befindlichen Schulen bekommen Geld, alle anderen werden gestoppt, da die Baupreise gestiegen sind und das Geld nicht reicht. Innernzell wird für 1970 herausgenommen. Das Geld aber bleibt drin. Laut Landrat hat der Regierungspräsident erklärt, die Genehmigung komme die nächsten Tage. Alles ist frohen Mutes. Warten! - Es kommt nichts. Der Jurist brauchte immer noch Zeit.
 

Juli 1970
Landrat: Die nächsten Tage komme die Genehmigung.
Jurist beim Landratsamt: Laut Lederer (Reg.) baut Innernzell heuer nicht mehr.
Abgeordneter Schuster, MdB Dr. Dittrich: Laut Präsident kommt die Genehmigung zum Bau die nächsten Tage.

Warten! Telefonanruf des MdL Dick, Straubing; am 7. August 1970: Präsident: Die Genehmigung geht heute, Freitag, hinaus. Anruf Dicks beim Juristen (Lederer in Urlaub): „Ist das sicher Anweisen des Präsidenten?“ Sie wissen noch nichts.

Montag, den 10. August 1970
Anruf des Landrats: Die schulaufsichtliche Genehmigung zum Bau einer 10-klassigen Grund- und Hauptschule ist eingetroffen. Nachmittags bringt sie der Landrat zur Gemeinde.
Das Warten, die Unsicherheit ist zu Ende!

Mittwoch, den 12. August ist Baubesprechung: Architekt und Firma Mandl, der der Bau unter Vorbehalt schon im Frühjahr übergeben wurde.

 
Donnerstag, den 13. August 1970
Baubeginn.
Die Firma Karl, Schlag, beginnt mit den Erdarbeiten